Die Prüfung ist bestanden, der Führerschein liegt im Portemonnaie. In der Fahrschule stand das Motorrad immer gewartet bereit. Ab jetzt kümmern Sie sich selbst darum. Das klingt nach mehr Aufwand, als es ist: Die wichtigsten Kontrollen dauern nur wenige Minuten und verhindern die meisten Pannen.
Vor dem Kauf: Passt die Maschine zu Ihrer Klasse?
Wer die Klasse A2 besitzt, darf ein Motorrad mit höchstens 35 kW fahren. Zusätzlich gilt ein Leistungsgewicht von maximal 0,2 kW pro Kilogramm. Eine gedrosselte Maschine ist nur dann A2-tauglich, wenn sie ungedrosselt nicht mehr als 70 kW hat. Die Drosselung muss außerdem in den Fahrzeugpapieren eingetragen sein.
Bei einem Gebrauchten lohnt sich der Blick in die Unterlagen. Motorräder müssen alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Prüfen Sie die Plakette und lassen Sie sich den letzten HU-Bericht zeigen, denn dort stehen auch Mängel und Hinweise auf anstehende Reparaturen. Die Fahrgestellnummer in den Papieren sollte mit der am Rahmen übereinstimmen.
Reifen: Die 1,6 Millimeter sind nur das gesetzliche Minimum
Nach § 36 StVZO müssen Reifen mindestens 1,6 Millimeter Profil haben. Viele Fachleute raten aber schon bei etwa 2 Millimetern zum Wechsel, weil die Haftung auf nasser Fahrbahn mit abnehmendem Profil deutlich nachlässt. Messen Sie deshalb regelmäßig nach und achten Sie dabei auch auf Risse, Beulen und eingefahrene Fremdkörper.
Den Luftdruck kontrollieren Sie am besten am kalten Reifen, die richtigen Werte stehen im Handbuch. Bei Gebrauchtmaschinen wird oft das Alter der Reifen übersehen. Es steht in der DOT-Nummer an der Reifenflanke: Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Jahr, „1223“ bedeutet also die zwölfte Woche des Jahres 23. Auch Reifen mit viel Profil können ausgehärtet sein und schlechter haften.
Kette und Bremsen: Wo sich regelmäßige Kontrolle am meisten auszahlt
Die Kette braucht von allen Teilen am häufigsten Aufmerksamkeit. Als Faustregel gilt: alle 500 bis 1000 Kilometer und nach jeder Regenfahrt reinigen und schmieren. Den vorgeschriebenen Durchhang finden Sie im Handbuch, oft liegt er zwischen 20 und 35 Millimetern. Eine zu straffe Kette belastet die Lager, eine zu lockere kann überspringen. Ist sie verschlissen, tauscht man üblicherweise den ganzen Kettensatz aus Kette, Ritzel und Kettenrad, damit neue und alte Teile sich nicht gegenseitig abnutzen.
Bei den Bremsen sollten Sie zwei Dinge im Blick behalten. Die Bremsbeläge müssen spätestens an der Verschleißmarke gewechselt werden, oft bei etwa 1,5 bis 2 Millimetern Restbelag. Die Bremsflüssigkeit nimmt mit der Zeit Wasser auf und wird deshalb etwa alle zwei Jahre erneuert. Neue Beläge brauchen einige vorsichtige Bremsungen, bis sie ihre volle Wirkung erreichen. Wer an der Bremsanlage unsicher ist, überlässt die Arbeit besser einer Werkstatt.
Motoröl und Batterie: Nicht jedes Öl passt
Intervall und Viskosität für den Ölwechsel gibt das Handbuch vor, den Ölfilter wechselt man in der Regel gleich mit. Ein häufiger Anfängerfehler ist Autoöl aus dem Regal. Bei Motorrädern, deren Kupplung im Ölbad läuft, sollte das Öl die Freigabe JASO MA haben, sonst kann die Kupplung rutschen.
Die Batterie macht meist nach der Winterpause Probleme. Ein Erhaltungsladegerät beugt der Tiefentladung vor. Mit einem einfachen Messgerät können Sie den Zustand prüfen: Eine volle 12-Volt-Batterie zeigt im Ruhezustand rund 12,6 Volt.
Das richtige Ersatzteil finden: Modell, Baujahr, Fahrgestellnummer
Dieselbe Modellbezeichnung bedeutet nicht automatisch dieselben Teile. Je nach Baujahr können etwa Bremsbeläge oder Kettenteilung abweichen. Notieren Sie sich deshalb vor der Bestellung Modell, Baujahr und Fahrgestellnummer aus den Fahrzeugpapieren.
Spezialisierte Onlineshops ordnen ihre Teile oft den einzelnen Modellen zu. Bei motorrad-ersatzteile24.de wählen Sie zum Beispiel im Ersatzteile-Finder Ihr Motorrad aus und sehen dann Verschleißteile wie Bremsbeläge, Kettensätze, Filter und Zündkerzen für dieses Modell. Vergleichen Sie vor dem Einbau trotzdem das neue Teil mit dem alten, gerade bei älteren oder umgebauten Maschinen.
Zubehör und Umbauten: Auf den Nachweis achten
Früher oder später möchten die meisten ihr Motorrad anpassen, etwa mit anderen Spiegeln, Blinkern oder einem neuen Auspuff. Hier ist der Nachweis entscheidend: Das Teil braucht eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE), ein E-Prüfzeichen oder ein Teilegutachten. Ohne passenden Nachweis kann nach § 19 StVZO die Betriebserlaubnis des Motorrads erlöschen, was auch den Versicherungsschutz beeinträchtigen kann. Bewahren Sie die Unterlagen auf und nehmen Sie sie mit auf die Fahrt, wenn sie mitgeführt werden müssen.
Beim Helm gilt nach § 21a StVO ohnehin Pflicht. Neue Modelle werden nach dem Standard ECE 22.06 geprüft, ältere Helme nach ECE 22.05 dürfen Sie weiter tragen. Nach einem Sturz empfehlen die Hersteller den Austausch, auch wenn von außen nichts zu sehen ist.
Wer sich vor jeder Tour zwei Minuten für Reifen, Kette, Bremsen und Licht nimmt, kennt seine Maschine schnell gut und merkt früh, wenn sich etwas verändert. Das ist am Anfang mindestens so wertvoll wie die ersten gefahrenen Kilometer.